Anmeldung
 

Erziehung ist Beziehung

Das Leben mit Kindern ist reich an Gefühlen, Erziehung eine hochemotionale Angelegenheit. Es gibt nur wenige Bereiche im Leben, wo wir so viel und intensiv fühlen. Kinder können uns grösstes Glück bescheren, uns tiefe Erfüllung schenken, uns aber auch in quälende Selbstzweifel stürzen. Wir stehen die grössten Ängste um sie aus, stellen ihretwegen manchmal die kleinsten Ansprüche zurück. Kinder präsentieren uns die ganze Gefühlspalette von Glück, Zufriedenheit, Selbstsicherheit über Ohnmacht, Schmerz und Trauer hin zu Wut und Verzweiflung. Und immer zeigen sie uns mit erbarmungsloser Zuverlässigkeit, wo die Grenzen unserer Geduld und Leistungsfähigkeit, manchmal sogar unserer Liebesfähigkeit liegen.

Die Kunst besteht nun darin, Gefühle für sich arbeiten zu lassen, statt sie zu unterdrücken oder hemmungslos auszuleben. Wer es versteht, klug mit ihnen umzugehen, dem dienen sie dazu, das Leben befriedigend zu gestalten und Erfüllung zu finden! Diese Fähigkeit wird als Emotionale Intelligenz bezeichnet und beinhaltet fünf Komponenten: Selbstreflexion, Selbstkontrolle, Motivation, Empathie und Soziale Kompetenz.
 

Beziehung setzt elterliche Authentizität im Ausdruck von Gefühlen voraus.

Je authentischer die Eltern, desto besser geht es den Kindern.
Was Kinder und Jugendliche wollen, ist eine aufrichtige Meinung und ein aufrichtiges Interesse an ihnen als Person.
Auch und besonders während der Pubertät. Ehrlichkeit ist die Grundlage für eine gesunde Entwicklung des Selbstwerts.
 

Beziehung setzt gegenseitigen Respekt voraus.

Dem Kind mit Respekt begegnen spiegelt sich in der Kommunikation, beim Setzen von Grenzen und zeigt sich aber auch im elterlichen Umgang mit den Grenzen, die ein Kind signalisiert. Seit Generationen sagen Eltern, Kinder müssten lernen ein Nein zu respektieren. Aber anerkennen und respektierten wir selbst seine kindlichen Grenzen?

Beim Grenzensetzen ist der Weg das Ziel, was sowohl Um- und Nebenwege, als auch Sackgassen mit einschliesst. Fehler sind erwünschte Geschenke, aus denen wir Erfahrungen herleiten und gewinnen können!
Wege entstehen beim Gehen, wobei das Kind das Tempo und die Gangart bestimmt und Eltern ein Geländer darstellen.
 

Beziehung setzt Konfliktfähigkeit voraus.

In der Erziehung, bzw. im Alltag geht es nicht in erster Linie um Harmonie, welche auf Kosten der kindlichen Einzigartigkeit durch seine Anpassung häufig erzwungen wird. Eltern müssen die Konflikthaftigkeit, die Widersprüchlichkeit menschlicher Bedürfnisse anerkennen. Es ist absolut notwendig, dass in diesem Entwicklungsprozess das Widerborstige, das Trotzige, das Eifersüchtige, das Auflehnende eine Wertschätzung erfährt, denn dies ist ein gesunder Teil menschlicher Aggression, da er dazu dient, das eigene Revier, die eigenen Bedürfnisse zu verteidigen.

Konflikte zwischen Kindern und Eltern sind nicht Anzeichen dafür, dass Eltern ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind! Sie dienen vielmehr dazu, dass beide Seiten an diesen gegenseitigen Reibungen wachsen können! Konfrontation bedeutet auch Nähe!

Wir gewinnen die grösste Klarheit über unsere Bedürfnisse, wenn sie nicht erfüllt werden. Wir lernen unsere Grenzen nur dann kennen, wenn sie jemand missachtet, und wir erkennen den Charakter und die Tiefe unserer Gefühle am besten, wenn wir den Boden unter den Füssen verlieren!
In diesem Sinne birgt jeder Konflikt auch eine grosse Entwicklungschance.

Max Frisch hat schon gesagt: «Krise ist ein produktiver Zustand, man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.»

 

«Die Fähigkeit der Kinder, sich den Bedingungen ihres Aufwachsens anzupassen, ist nahezu unbegrenzt. Was verletzlich ist, ist ihre Liebe zu sich selbst!»  Jesper Juul

Quelle: Renate Alf